Kaninchen

Natürliche Lebensweise:

Kaninchen sind nachtaktive Gruppentiere und bewegen sich gern und viel. Obwohl sie seit Jahrhunderten domestiziert sind, verhalten sie sich immer noch sehr ähnlich wie ihre wilden Vorfahren. Diese leben in Gruppen mit klarer Rangordnung. Sie graben sich weitverzweigte Röhrensysteme in die Erde, in denen sie bei Gefahr Zuflucht suchen und die Weibchen ihre Jungen werfen. Kaninchen sind von Natur aus sehr scheu. Achtung: Zwergkaninchen (fälschlicherweise auch Zwerghäsli genannt) haben die gleichen Bedürfnisse wie grosse Kaninchenrassen und stammen alle vom Wildkaninchen ab, nicht vom Feldhasen!

Gruppenhaltung und Kastration:

Die Einzelhaltung von Kaninchen ist nicht tiergerecht. Auch die Haltung eines Kaninchens mit einem Meerschweinchen entspricht nicht den Bedürfnissen der Tiere, obwohl dies bei Zwergkaninchen manchmal praktiziert wird. Weder ein Meerschweinchen noch ein Mensch sind ein Ersatz für einen Sozialpartner der gleichen Art! Kaninchen sollen daher immer mit Artgenossen zusammen gehalten werden. Sie sollten jedoch von klein auf aneinander gewöhnt sein. Das Zusammenbringen von älteren Tieren oder das Integrieren eines fremden Tieres in eine bestehende Gruppe ist sehr schwierig, aber nicht unmöglich. Einander bekannte Tiere leben friedlich in der Gruppe, sofern ihnen ein grosses Gehege mit mehreren Unterschlupfmöglichkeiten zur Verfügung gestellt wird, damit sie sich voreinander zurückziehen können. Eine Gruppe von mehreren Weibchen und kastrierten Böcken ist zu empfehlen. Kaninchen werden bereits mit drei Monaten geschlechtsreif. Dann beginnen die männlichen Tiere, einander zu bekämpfen, weshalb sie rechtzeitig zu kastrieren sind. Auch die Frühkastration vor der Geschlechtsreife ist möglich. Dieser Eingriff muss unter Narkose von einem spezialisierten Tierarzt vorgenommen werden.

Zucht:

Von der Zucht von Kaninchen muss abgeraten werden, denn Kaninchen werfen bis zu zehn Junge aufs Mal und geeignete tierfreundliche Plätze für den Nachwuchs sind schwierig zu finden. Die Trennung der Jungtiere von der Mutter kann im Alter von 8 -12 Wochen geschehen. Auch für die Zucht müssen den Kaninchen viel Raum und Auslauf, sowie verschiedene Rückzugsmöglichkeiten und trockene Einstreu zur Verfügung gestellt werden. Zudem braucht die Zibbe zusätzlich eine spezielle Nestboxe mit einem röhrenförmigen Eingang, den sie selber verschliessen kann.

Unterbringung:

In der Wohnung:

Von der Haltung von Kaninchen in der Wohnung ist abzuraten. Auf jeden Fall muss ihnen ein grosser Käfig (mind. 2 Quadratmeter) mit dauerndem Freilauf in einem speziell dafür eingerichteten Kaninchenzimmer geboten werden (keine Kabel, wertvolle Teppiche und Möbel…). Verschiedene Unterschlupfmöglichkeiten, erhöhte Sitzflächen und trockene Einstreu, am besten Stroh, sind unbedingt notwendig.

Im Freien:

Die Gruppenhaltung in einem grossen Freilaufgehege (im Freien oder in einem hellen Gebäude) kann die natürlichen Bedürfnisse der Tiere am besten erfüllen. Das Kaninchengehege muss unbedingt mit mehreren Unterschlupfmöglichkeiten wie Röhren,Erdhügeln, aber auch mit erhöhten Ebenen wie z.B. Häuschen mit Dachstock eingerichtet werden, damit sich die Tiere bei Bedarf voreinander zurückziehen können. Eine wetterfeste, gegen Kälte und Hitze isolierte Hütte ist ebenfalls nötig. Die nachtaktiven Kaninchen dürfen aber nachts nicht in kleinen Ställen eingeschlossen werden! Als Schutz gegen Marder und Füchse empfiehlt es sich, den unteren Teil des Gehegegitters in den Boden zu versenken und den Zaun oben mit einem elektrischen Viehhüter zu sichern.

Pflege:

Kaninchen haben einen sehr feinen Geruchssinn. Deshalb leiden sie, wenn ihr Gehege nicht regelmässig vom ammoniakhaltigen Urin gereinigt wird. Schmutzige Käfige erhöhen auch die Gefahr der oft tödlich verlaufenden Kokzidieninfektion. Die Reinigung der Gehege, die 2x wöchentlich vorgenommen werden soll, nimmt relativ viel Zeit in Anspruch.

Kinder und Kaninchen:

Kaninchen, insbesondere Jungtiere und Zwergkaninchen („Zwerghäsli“) sehen niedlich ausund sind besonders für Kinder sehr attraktiv. Kaninchen sind jedoch keine Kuscheltiere und eignen sich nicht dazu, herumgetragen und geknuddelt zu werden. Es gibt Tiere, welche sich nicht wehren und unbeweglich sitzenbleiben, was jedoch nicht heisst, dass sie gerne durch Kinderhände manipuliert werden. Oft kommt es vor, dass die Kinder von den Kaninchen gekratzt oder gar gebissen werden, vor allem, wenn die Tiere etwas älter werden. WennKaninchen in tiergerechter Haltung in Gruppen leben, können sich Erwachsene wie Kinder an ihrem natürlichen Verhalten freuen, ohne dass die Tiere festgehalten oder aus dem Gehege genommen werden müssen. Für jede Tierhaltung gilt: Kinder müssen unbedingt von Erwachsenen angeleitet und beaufsichtigt werden. Sie müssen lernen, mit den ihnen anvertrauten Tieren rücksichtsvoll umzugehen und deren Bedürfnisse zu respektieren. Leider kommt es immer wieder vor, dass die Tiere unbemerkt und ohne Absicht in Angstversetzt werden oder dass ihnen die Kinder Schmerzen zufügen.