Ratten

Ratten sind sehr intelligent und anpassungsfähig. Ihre Geschichte ist eng mit dem Menschen verbunden. Die Neugier der Ratten und ihre Zutraulichkeit machen sie zu idealen Heimtieren.

Die heute als Heimtiere gehaltenen Ratten sind Nachkommen von Laborratten – und diese stammen wiederum von wilden Wanderratten ab, deren ursprüngliche Heimat Asien ist. Früher lebten sie vor allem in selbst gegrabenen Erdhöhlen. Ratten können sehr gut schwimmen und erbeuten ihre Nahrung gerne im Wasser. Daher leben sie oft in den Uferbereichen von Gewässern.

Ratten sind von Natur aus neugierig und können mit der Zeit zutraulich werden. Sie sind sehr sozial und haben einen ausgeprägten Spieltrieb. Ratten können sogar Menschen als Sozialpartner akzeptieren. Allerdings leiden Ratten auch, wenn sie ohne Partner leben müssen oder einen Sozialpartner verlieren.

Die Anpassungsfähigkeit erlaubte es den Ratten bereits vor mehreren Jahrhunderten, sich über die ganze Erde auszubreiten. Ratten suchten schon vor langer Zeit die Nähe zu menschlichen Siedlungen mit ihrem breiten Nahrungsangebot. Heute leben wilde Ratten überall dort, wo sie einerseits genügend Nahrung vorfinden und andererseits Schlupfwinkel finden. In der Nähe des Menschen sind dies Keller und Kanalisationen. Frei lebende Ratten gelten auch als Vorratsschädlinge, welche man wo immer möglich zu vernichten versucht.

Zwar können Ratten gezähmt werden, doch hat man sie – im Gegensatz etwa zu Hunden, Katzen, Rindern und Schweinen – kaum gezielt für das Zusammenleben mit dem Menschen gezüchtet. Auch wenn die heute als Heimtiere gehaltenen Ratten schon seit mehreren Generationen in Gefangenschaft leben, haben sie noch sehr ähnliche Bedürfnisse wie ihre wilden Verwandten

Das Rattenheim

Ratten brauchen ein genügend grosses Rattenheim. Genau so wichtig wie die Grösse des Heims ist auch dessen Einrichtung: Sie müssen ausreichend Spiel-, Versteck- und Beschäftigungsmöglichkeiten bieten.

Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Rattenheim mit einem Volumen von mindestens 0,35 Kubikmeter und einer Grundfläche von mindestens einem halben Quadratmeter für bis zu fünf Ratten. Dem würde ein Heim von 60 x 100 x 60 Zentimeter entsprechen. Doch diese Masse sind das absolute Minimum. Ihre Ratten werden Ihnen dankbar sein, wenn Sie ihnen mehr Platz bieten. Bedecken Sie den Boden des Rattenheims mit geeigneter Einstreu, zum Beispiel mit Hanfstroh oder Maisgranulat. Ratten buddeln und graben gerne darin.

Ratten sind Fluchttiere und ziehen sich in Ruhephasen gerne ins sprichwörtliche “Rattenloch” zurück. Das Rattenheim muss daher eine oder mehrere Rückzugsmöglichkeiten oder Unterstände enthalten. Alle Tiere müssen darin Platz finden. Wir erinnern uns: Ratten sind sehr soziale Tiere. Daher ist ein grosser Unterstand für alle Tiere besser als mehrere kleinere.

Als Fluchttiere sind Ratten natürlicherweise auf der Hut vor Raubvögeln. Das Rattenheim platzieren Sie deshalb am Besten auf Tischhöhe an einem festen Platz in der Wohnung. Steht das Heim direkt auf dem Boden, setzt man die Ratten unter Stress.

Es ist für die Ratten am Besten, wenn sie in einem Heim gehalten werden und täglichen Freilauf in der Wohnung haben. So wird die ganze Wohnung mit ihrer Einrichtung zum vielfältigen Turn- und Spielplatz. Beachten Sie jedoch: Ratten haben einen stark ausgeprägten Geruchsinn. Auf sterilen, nach Wachs oder Putzmittel riechenden Böden vergnügen sie sich nicht gerne. Bedenken Sie auch, dass sich Ratten gerne in Spalten oder Nischen verkriechen und sich darum allenfalls hinter oder unter Möbeln verstecken. Achtung: Möbel, Kabel und Ähnliches werden auch gerne angenagt.

Übrigens: Aquarien oder Terrarien eigenen sich nicht als Rattenheim. In solchen ist der Luftaustausch nicht gewährleistet. Der aus dem Urin entstehende Ammoniak kann sich ansammeln und die Atemwege der Ratten übermässig reizen, was zu Atemwegserkrankungen führen kann.

Futter

Ratten sind von Natur aus Meister der Anpassung. Das heisst auch, dass sie praktisch alles fressen können. Wie bei allen Lebewesen gilt auch bei Ratten: Weniger Nahrung ist manchmal mehr, denn auch diese Tiere können zu dick werden.

Als Grundfutter ist ein vielseitiges Körnerfutter gut geeignet, das im Zoofachhandel erhältlich ist. Darüber hinaus lieben Ratten Grünfutter, Viertelfettkäse, Äpfel oder andere Früchte und trockenes, möglichst hartes Brot. Zudem muss unbedingt vielseitiges und grob strukturiertes Futter angeboten werden. Es hilft den Tieren, die Zähne abzunützen. Denn diese wachsen während des ganzen Lebens nach.

Beachten Sie: Auch Ratten können zu dick werden. Geben sie daher Fetthaltiges wie Nüsse und Sonnenblumenkerne nur als kleine Belohnungen und schauen Sie, dass Ihre Ratten genügend Bewegung haben.

Ratten können nicht erbrechen und rülpsen, weil eine Falte zwischen Vor- und Hauptmagen sie daran hindert. Sie dürfen ihren Ratten daher keinesfalls klebrige Nahrung füttern – Ratten können daran ersticken. Auch kohlensäurehaltige Getränke sind tabu! Das Verschlucken von Kügelchen und dergleichen führt zu grossen Problemen, mitunter gar zum Tod!

Ratten haben einen schnellen Stoffwechsel. Sie nehmen daher nicht viel Futter auf einmal auf, sondern mehrere kleinere Portionen über den ganzen Tag verteilt. Wegen des schnellen Stoffwechsels haben sie auch einen hohen Flüssigkeitsbedarf. Ihnen muss daher ständig frisches Trinkwasser in einer Trinkflasche zur Verfügung stehen. Ohne Wasser würden sie schnell verdursten.

Übrigens: Zimmerwarmes Wasser eignet sich auch gut zum Baden. Viele Ratten baden gerne – sie sind buchstäbliche “Wasserratten”.

Mensch und Ratten

Ratten sind dankbare Heimtiere und eignen sich auch für grössere Kinder – sofern diese nicht die alleinige Verantwortung für die Betreuung tragen. Aber aufgepasst: Wenn sich Ratten bedrängt fühlen, wehren sie sich mit Beissen.

Mit Ratten ist verhältnismässig leicht umzugehen. Es ist für sie kein Stress, wenn man sie streichelt oder auf die Schulter nimmt. Deshalb sind Sie als Heimtiere für Kinder besser geeignet als etwa Meerschweinchen. Ratten sind sehr neugierige Tiere, sie interessieren sich für den Menschen und kommen neugierig auf ihn zu.

Gerade weil mit Ratten so leicht umzugehen ist, werden sie oft ausgiebig gehätschelt und aus der Hand gefüttert. Wenn man dabei vorsichtig ist und minimale Hygienestandards einhält, ist dies kein Problem.

Zwar galten wilde Ratten lange Zeit als unsauber, weil sie in Abwasserkanälen leben. Diesen schlechten Ruf haben sie aber zu Unrecht: Ratten sind grundsätzlich sehr reinliche Tiere. Dennoch können sie gewisse für den Menschen gefährliche Krankheitserreger auf sich oder in sich tragen. Wenn Sie Ratten aus der Hand füttern, achten Sie also darauf, dass Sie nicht gebissen werden